Arthur und die Vergessenen Bücher
von Gerd Ruebenstrunk
Der Anfang der Geschichte hat mich zunächst etwas ärgerlich gestimmt. Welcher Erwachsene – wertvolle Bücher hin oder her – wird zwei 14jährige Kinder alleine in eine unbekannte Stadt schicken, um ein geheimnisvolles Buch aufzuspüren? Wenn Arthur mein Kind wäre hätte der Bücherwurm nach den Ferien nichts zu Lachen gehabt, mit dem hätte ich nicht nur ein ernstes Wörtchen gesprochen! Aber lässt man die Logik in diesem Punkt außer Acht, und verbannt den Hintergedanken aus dem Kopf, dass man selbst niemals mit 14 Jahren mutterseelenallein in eine fremde Stadt gefahren, geschweige denn dort auf Verbrecherjagd gegangen wäre, erwartet einen ein abenteuerliches und farbenprächtiges Lesevergnügen!
Gerd Ruebenstrunks Stil besticht in erster Linie durch seine authentischen und fundierten Schilderungen, die mir das Gefühl gaben, den Kindern bei ihrer Suche nach dem “Buch der Antworten” in Amsterdam und Bologna direkt zur Seite zu stehen, nur leider galt das auch für den heißen Kakao und die Pfannkuchen, die ich am liebsten aus dem Buch gegklaubt und vernascht hätte.
Besonders gut gefiel mir, dass die beiden Hauptpersonen so grundverschieden waren. Nicht nur, dass hier ein Junge und ein Mädchen gemeinsam die Helden sind – wobei Arthur von sich selbst sagt, dass er kein Held ist – sie könnten kaum unterschiedlichere Charakterzüge besitzen. Arthur ist ein in sich gekehrter Skeptiker und Bücherwurm, während Larissa praktisch veranlagt ist und mit ihrem beinahe unverbesserlichen Optimismus und ihrer Gutgläubigkeit Arthur und sich selbst nicht nur einmal in die Arme der Bösewichte treibt, weil sie zu schnell den falschen Leuten ihr Vertrauen schenkt. Wegen ihrer völlig unterschiedlichen Art läuft zu Beginn ihres Auftrags nicht immer alles glatt. Die beiden müssen sich zusammenraufen, um bei ihrem Auftrag Erfolg zu haben.
Obwohl die beiden jugendlichen Charaktere von Grund auf verschieden sind, mochte ich beide sehr gerne, nur mit dem Bücherwurm wurde ich nicht recht warm. Da er nur zu Beginn und am Ende des Buches richtig in Erscheinung tritt, hat er keine großen Chancen beim Leser zu punkten, und da er zumindest in jungen Jahren aus egoistischen Gründen hinter den Vergessenen Büchern her war, hinterließ seine Figur zumindest bei mir einen eher negativ geprägten Eindruck. Missen würde ich diesen Charakter allerdings nicht wollen, da gerade diese Grautöne in seinem Charakter und die Ungewissheit, ob er tatsächlich einer der Guten ist oder immer noch egoistische Ziele verfolgt, faszinieren und für offene Fragen am Ende des Buches sorgen.
Auf der abenteuerlichen Jagd nach den Vergessenen Büchern lernt man die Städte Amsterdam und Bologna kennen, zu denen ich mir als Sahnehäubchen zu der ansonsten wunderbaren Aufmachung des Buches noch Stadtpläne in der vorderen und hinteren Buchklappe gewünscht hätte.
“Arthur und die Vergessenen Bücher” bietet Urlaub in den Niederlanden und in Italien vom gemütlichen Lesesessel aus und entführt auf eine abenteuerliche Schatzsuche, an der nicht nur Kinder ihren Spaß haben werden! Für fantastische Nuancen sorgen Arthurs obskure Gabe Bücher aufspüren zu können und der ebenso sympathische wie rätselhafte Charakter des Schützenjungen Gerrit. Lest selbst und kommt den Geheimnissen der Vergessenen Bücher auf die Spur. “Arthur und die Vergessenen Bücher” wohnt ein besonderer Zauber inne, man muss sich nur auf ihn einlassen!
Im bereits erschienenen Folgeband “Arthur und der Botschafter der Schatten” dürfen wir Arthur und Larissa in neue Städte zu neuen Abenteuern begleiten, denn die Suche nach den Vergessenen Büchern ist noch nicht zu Ende…
Kategorie: Ab 10 Jahren, Fantasy, Kinder- & Jugendbücher, Romane & Erzählungen
