Die Rebellion der Maddie Freeman
von Katie Kacvinsky
von Katie Kacvinsky
Im Mittelpunkt des Romans steht die 17-jährige Madeline Freeman, die – wie alle anderen normalen Teenager – fast ausschließlich ein digitales Leben führt. Schule, Hobbies, Einkaufen – all das spielt
sich auf Computerbildschirmen ab. Doch dann lernt Maddie Justin kennen, der nichts von Computern zu halten scheint. Er ist anders, er ist anziehend – aber er birgt auch ein Geheimnis. Denn Justin
gehört einer Widerstandsbewegung an, die sich ausgerechnet Maddies Vater zum Feind erklärt hat. Maddies Vater, Kevin Freeman, dem Gründer der „Digital School“. Maddie ist zerrissen – einerseits
hält sie nichts von den Idealen ihres Vaters und würde sich nur zu gern auf die Seite des Widerstands stellen, doch andererseits beging sie schon einmal einen verheerenden Fehler, indem sie Daten ihres
Vaters an eine radikale Gruppe vermittelte, und zerstörte um ein Haar ihre Familie. Was soll sie tun? Mit oder gegen den Strom schwimmen, hinter der Kontrolle stehen oder sie ablehnen? Obwohl sie sich
sträubt, eine Entscheidung zu fällen, wird ihr immer mehr bewusst, welche Bedeutung sie für die eine, sowohl auch für die andere Seite hat…
Was für eine tolle Idee! Natürlich wird die Frage auch in unserer immer stärker von Technik beherrschten Welt mit jeder neuen Erfindung wichtiger: Wie weit wollen wir uns von den digitalen Medien
kontrollieren lassen?
Die Folgen solch einer fast vollständig digitalisierten Welt stellt Katie Kacvinsky in ihrem ersten Roman eindrucksvoll dar. Wir befinden uns in den USA, im Jahre 2060. Nachdem die Jugendkriminalitätsrate in den letzten Dekaden rapide gestiegen war, wurde nach einer Lösung für dieses und andere Probleme, die zunehmend die Bevölkerung bedrohten, gesucht und gefunden: die „normale“ Schule wurde von der digitalen abgelöst. Der Erfolg ist unglaublich: 45% weniger Selbstmorde von Teenagern und 91% weniger Teenagerschwangerschaften! (Seite 89)
Doch kaum einer ist bereit, auch die Schattenseiten der Welt zu sehen, in der man sich via Avataren und Emoticons bewegt.
„Seit es die Digital School gibt, sprechen nur noch 5% der Menschen persönlich miteinander. Eltern verbringen 85% weniger Zeit mit ihren Kindern“, meint eine Widerstandskämpferin (Seite 339).
Natürlich ist auch die Kontrolle vonseiten des Staates stark gestiegen. Jede Bahnfahrt, jede Chataktivität, jeder Schritt kann überwacht werden. Teenager, die nicht nach den Regeln spielen, werden
in Umerziehungszentren geschickt, wo sie eine Gehirnwäsche verpasst bekommen. Erwachsene, die nicht mitspielen, wandern ins Gefängnis oder in die Verbannung. Auch Maddie ist an diese Regeln gebunden –
wider Willen. Denn schon seit längerem hat sie den Verdacht, dass die Digital School keine Lösung für die Probleme ist, sondern nur neue erzeugt.
Der Wandel ihrer Persönlichkeit ist interessant – im ersten Kapitel noch an ihren „FlipScreen“ gekettet, stellt sie doch das ganze System Schritt für Schritt in Frage, obwohl sie eigentlich gedacht hatte, sich in den letzten Jahren mit der digitalen Welt arrangiert zu haben. Justin hilft ihr dabei und leitet ihre Gedanken in neue Bahnen.
Doch für mich scheint es, als würde die Beziehung der beiden nach einiger Zeit die Oberhand in der Geschichte gewinnen. Schade, denn die Umsetzung der Idee war bis hierher sehr gut gelungen, wie ich fand.
Durch dieses Auf und Ab in der Liebe verliert der Roman ein wenig an den wirklich spannenden Denkansätzen und erinnert an eine total normale Teenager-Liebesgeschichte. Es entsteht eine kleine Flaute und an dieser Stelle hätte ich mir mehr Tempo gewünscht. Ich meine, ich habe gar nichts gegen eine schöne Liebesgeschichte in Büchern einzuwenden, ich finde es nur bedauernswert, wenn dieser Aspekt am Ende den eigentlichen Handlungsstrang überschattet.
Viel Potenzial, aber nicht alles herausgeholt. Nichtsdestotrotz war es ein spannendes, wenn auch zeitweilig etwas fades Lesevergnügen, mit schönen Aspekten und vielen Facetten. Allerdings sollte man schon etwas langweilige Liebesgeschichten mögen, um es zu 100% genießen zu können.

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