Interview mit SCHLUNZ-Autor Harry Voß

Der Schlunz
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Guten Tag Herr Voß,

erst einmal möchten wir Ihnen für Ihre Interviewbereitschaft danken. Würden Sie sich den KiBuLo-Lesern kurz selbst einmal vorstellen?

Gern geschehen. Es ist mir eine Ehre, dass ihr euch für den Schlunz interessiert. Mein Name ist Harry Voß, ich wohne in Gummersbach, NRW, komme aber ursprünglich aus Hessen (Nähe Dillenburg). Ich bin verheiratet mit Iris, unsere Kinder heißen Elisa (13 Jahre) und Josia (10 Jahre). Wir besuchen hier in Gummersbach die Evangelische Kirchengemeinde und den CVJM. Ich bin 43 Jahre jung. Noch was vergessen?

Wussten Sie schon immer, daß Sie einmal Schriftsteller werden wollten und was gefällt Ihnen an diesem Beruf besonders?
Eigentlich bin ich ja gar kein Schriftsteller. Ich arbeite bei einem Verein mit dem Namen Bibellesebund. Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, Kindern und Erwachsenen die Scheu vor dem großen und fremden Buch der Bibel zu nehmen und ihnen Lust aufs Bibellesen zu machen. Für diesen Verein reise ich quer durch Deutschland und veranstalte Freizeiten, Kinderbibelwochen und Seminare für Kindermitarbeiter in Gemeinden. Und innerhalb dieser Tätigkeit bot sich irgendwann mal die Gelegenheit, ein Kinderbuch zu schreiben. Das hat mir natürlich irrsinnig viel Spaß gemacht. Ich glaube aber, ganz viele Erwachsene, die mit Kindern arbeiten, träumen davon, mal selbst ein Buch für Kinder zu schreiben. Ich bin sehr froh, dass ich nun das Glück hatte, mal eins (oder sogar sieben) schreiben zu dürfen.
An meinem Beruf (man nennt mich „Kinderreferent“ beim Bibellesebund) gefällt mir besonders, dass er so abwechslungsreich ist. Ich arbeite viel live mit Kindern zusammen, das find ich ganz klasse. Und ich hab die Möglichkeit, über die Bücher, übers Internet, über die Filme usw. auch ganz anders Kinder anzusprechen. Das find ich total spannend.

Ihr wohl größter Erfolg ist „DER SCHLUNZ“. Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Buchreihe und warum heißt der SCHLUNZ eigentlich SCHLUNZ?
Na ja, wie schon gesagt, ich bin immer wieder auf der Suche nach guten Möglichkeiten, Kindern einen Weg zum christlichen Glauben zu bahnen. Und da ich (wie viele andere) schon immer mal ein Kinderbuch schreiben wollte, dachte ich, wäre es doch lustig, wenn ein Junge, der überhaupt nichts von Gott weiß, in eine Familie plumpst, die ganz viel von Gott weiß. Und wenn die sich mischen, kommen sicher lustige und auch nachdenkliche Szenen heraus. Warum er Schlunz heißt? Hm. Das weiß ich nachträglich gar nicht mehr genau. Ich hatte mehrere Wörter zur Auswahl. Im Grunde sollte es halt ein Name sein, bei dem von vornherein klar ist, dass er irgendwie nicht ins Schema passt. Das hätte auch PLUTSCH oder SKRONTSCH oder so sein können. Aber SCHLUNZ hört sich auch gut an, finde ich.

Hätten Sie sich jemals erträumt, daß diese Buchreihe so ein großer Erfolg werden würde und wie fühlt es sich an so „bekannt“ zu sein?
Nein, das hätte ich mir im ganzen Leben nicht träumen lassen. „Der Schlunz“ ist ja nicht das erste Buch vom Bibellesebund. Ich dachte mir vorher, wenn es ungefähr so gut läuft wie die anderen Bücher bei uns, dann bin ich ganz zufrieden. Aber dass das so einschlägt, das war schon eine Überraschung. Aber ich freu mich sehr. Klar. Und wie sich das anfühlt? Tja. Also in meiner Familie oder bei uns im Ort hat sich da nicht viel verändert. Ich war schon vorher ein Typ, der gerne auf andere zugeht, und das ist jetzt immer noch so. Bekannt war ich hier also sowieso schon. Aber dass ich jetzt manchmal zu „Schlunzpartys“ oder „Schlunzlesungen“ eingeladen werde, und dann sitzen da plötzlich 200 Kinder vor mir, die teilweise aus den Büchern zitieren wie Star-Treck-Fans aus den Filmen, das ist schon krass. Das fühlt sich cool an, ist mir manchmal aber immer noch ein bisschen unheimlich.

DER SCHLUNZ kommt in eine sehr religiöse Familie. Wie halten Sie es selbst mit der Religion und der christlichen Wertvermittlung gegenüber Kindern?
Ich hab schon als Kind im Kindergottesdienst Geschichten aus der Bibel gehört, die mich sehr geprägt haben. Dann war ich als 10- bis 12-Jähriger in einer Kindergruppe, die von christlichen Jugendlichen geleitet wurde. Die haben mich mit ihrem christlichen Lebensstil, mit ihrem Glauben an Gott sehr beeindruckt. So kam es, dass ich bereits mit 12 Jahren ebenfalls begonnen habe, ein Leben als Christ zu führen. Die Bibel ist mir da sehr wichtig geworden und ich schöpfe noch heute immer wieder Kraft und Mut aus ihr; manchmal fordert die Bibel mich aber auch heraus, besonders wenn es darum geht, wie wir Reichen mit Gerechtigkeit, mit der Armut auf der ganzen Welt oder mit unserem Mitmenschen gleich um die Ecke umgehen. Christliche Wertevermittlung gegenüber Kindern betreibe ich ja immer wieder, wenn ich zu Kinderbibelwochen unterwegs bin. Ganz wichtig ist mir, den Kindern zu zeigen: Du bist nicht zufällig auf der Welt. Es gibt da einen Gott, der dich gewollt hat und der dich unendlich liebt. Und du hast sogar die Möglichkeit, mit ihm Kontakt aufzunehmen und Vater zu ihm zu sagen. Insgesamt möchte ich aus christlicher Sicht zeigen, wie aufregend und spannend das Leben ist, wie wir aber auch mit unseren Fragen nach Sinn, nach Versöhnung, nach Hoffnung, nach Zukunft usw. umgehen können. In der Bibel gibt es dazu immer wieder Antworten. Leider verkleiden die Erwachsenen oft die gute Nachricht aus der Bibel in viel zu theoretische und komplizierte Worte, so dass Kinder oft denken, Religion hat mit Langweile, mit alten Geschichten und komplizierten Predigten zu tun. Das möchte ich gern ändern.

Woher nehmen Sie die Ideen für SCHLUNZ-Abenteuer? Waren Sie als Kind auch so einfallsreich?
Ich war als Kind eher ein Lukas. Ich war ein braver Junge, der vielleicht immer mal einen Schlunz gebraucht hätte, der mich aus der Reserve lockt. Ideen hatte ich zwar viele, aber ich war oft zu vernünftig (oder hatte Angst vor dem Ärger?), um sie umzusetzen.

Gibt es etwas, was Sie beim Schreiben als absolut störend empfinden?
Ja, wenn man andauernd unterbrochen wird. Auch Telefonanrufe oder Mittagessen oder „Kannst du mal eben schnell die Wäsche im Garten aufhängen“ – das sind zwar oft kurze Sachen, aber die reißen total aus der Gedankenwelt raus. Manchmal hab ich mich beim Schreiben mit meinem Laptop irgendwo hin verkrümelt, wo mich niemand gestört hat.
Streit ist auch absolut störend. Wenn ich mich während eines Schlunzbuch-Schreibens mit meiner Familie gestritten habe, dann zieht mich das so runter, dann kann ich nichts Fröhliches mehr schreiben. Dann muss ich erst mal eine Pause machen, was anderes unternehmen (zum Beispiel Sport) und mich dann mit meiner Familie wieder vertragen und mit ihnen lachen. Dann geht es wieder.

Haben Sie ein Laster oder eine Leidenschaft? Und wenn ja, was ist es?
Ein Laster? So was wie rauchen oder so? Hm. Fällt mir keins ein. Ich war letztes Jahr mal in Facebook, das hat mich so in Mitleidenschaft gerissen, dass ich andauernd nachschauen musste, was meine tollen 900 Freunde treiben, dass das zu einem echten Laster wurde. Da bin ich schnell wieder raus gegangen. Und Leidenschaft … also, was ich so richtig leidenschaftlich betreibe? Mein Beruf ist meine große Leidenschaft, das kann ich schon so sagen. Mit Kindern arbeiten, spielen, singen, Spaß haben, das ist schon sehr cool. Ich hab als Kind alles von Schlümpfen gesammelt, das war damals meine große Leidenschaft. Das klingt heute noch ein bisschen nach, wenn ich zum Beispiel immer mal bei ebay nachschaue, was derzeit das Schloss von Gargamel kostet. J Meinen persönlichen Glauben an Gott lebe ich sehr leidenschaftlich. Meine eigenen Kinder liebe ich leidenschaftlich. Ich mag es, mit der Familie zu spielen oder Quatsch zu machen. Ich liebe die Geschichte von Peter Pan, dem Jungen, der nie erwachsen werden will. Aber ist das eine Leidenschaft? Hm. Müsste ich noch länger drüber nachdenken.

Wird es bald was Neues von Ihnen zu lesen geben und würden Sie uns ein wenig darüber verraten?
Es gibt ja über die siebenbändige Buchreihe hinaus noch jede Menge vom Schlunz: sieben lange Hörspiele (die sich an den Büchern orientieren) und vier kurze; es gibt bisher 8 DVDs mit abgeschlossenen Kurzgeschichten vom Schlunz (keine Buchverfilmung), es gibt Comics vom Schlunz, es gibt ein Hausaufgabenheft mit abgeschlossenen Kurzgeschichten, es gibt ein „Survivalbuch“ mit noch mal neuen Kurzgeschichten und dazu Anleitungen zum Ketchupbombenbauen und so was. Also noch vieles zum Lesen. Aber über den Schlunz hinaus ist erst mal nichts Neues geplant. Ich hab jetzt wieder ganz neue Ideen, die in ganz andere Richtungen gehen. Aber das ist alles noch nicht spruchreif.
Übrigens: Falls wir uns mal kennen lernen sollen: Am 22. September findet in Elspe im Sauerland ein Schlunz-Abenteuertag statt. Da geht es den ganzen Tag rund um den Schlunz. Und auf der Winnetou-Freilicht-Bühne wird ein einmaliges Live-Schlunz-Abenteuerstück vorgespielt. Alle, die mit dem Schlunz zu tun haben, werden da sein. Darauf freue ich mich schon sehr.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für Sie und den SCHLUNZ.

© Cornelia Bruno, Andreas Illig

Mehr über Harry Voß und den SCHLUNZ erfahrt Ihr hier!

Der Beitrag wurde am Dienstag, 05. Juni 2012 von veröffentlicht.
Eine Antwort zu “Interview mit SCHLUNZ-Autor Harry Voß”
  1. Der Kinderbuch-Lotse | Gewinne ein von Autor Harry Voß signiertes “SCHLUNZ-Exemplar”! sagt:

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