Interview mit Jung-Autorin Anna Palm
Hallo Anna,
es freut uns sehr, daß Du Lust hast uns ein paar Fragen zu beantworten. Du bist erst 17 Jahre jung und hast bereits zwei erfolgreiche Bücher geschrieben. Wusstest Du schon immer, daß Du Autorin werden willst und wie fühlt es sich an, als die „DIE KLEINE ROWLING VOM RHEIN“ bezeichnet zu werden?
Ich habe mir mit drei Jahren selbst das Alphabet beigebracht, mir mit fünf Jahren die Buchstaben auf der Tastatur gesucht und angefangen, Geschichten zu schreiben. Ja, ich habe mir immer gewünscht, ein Buch veröffentlichen zu dürfen, aber nie ernsthaft damit gerechnet.
Es ist ein wahnsinnig magisches Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, was man selbst geschrieben hat und ich freue mich immer so, dass den Menschen gefällt, was ich schreibe. Ich habe eine Weile lang immer etwas haben wollen, was nicht alltäglich und so normal ist, und plötzlich war es da. Ich weiß nicht, ob ich wirklich die nächste Joanne bin, aber zumindest liebe ich das Schreiben so sehr wie sie.
Du gehst ja noch zur Schule, was sagen die Mitschüler zu Deinen Büchern? Gehen sie jetzt anders mit Dir um, da Du nun „berühmt“ bist?
Meine Mitschüler sind alle total freundlich und süß. Sie erkundigen sich nach den Büchern, sie kommen zu mir, um mir zu sagen, welche Textstellen ihnen beim Lesen gefallen haben. Die Jungs melden sich als meine zukünftigen Manager an, wobei sie dann 80% des Geldes kassieren wollen.
Abgesehen davon bin ich aber einfach immer noch Anna und ich würde es auch nicht anders wollen.
Wie gehst Du mit Lob/Kritik um?
Ich freue mich über jedes einzelne Lob, manche drucke ich mir aus und hänge sie auf oder schreibe sie in mein Tagebuch. Sie versüßen jeden grauen, frustrierten Regentag.
Ich bin vielleicht nicht unbedingt der kritikfähigste Mensch und musste erst einmal lernen, damit umzugehen. Aber natürlich ist Kritik unterlässlich, solange man sie konstruktiv äußert. Ich kann noch viel lernen, ich bin erst siebzehn.
Das Abitur zu machen kostet viel Zeit, wie teilst Du Dir die Zeit zum Schreiben ein? Nimmst Du Dir bestimmte Zeiten vor?
Ja, das stimmt, Schule plus Klausuren plus Facharbeit plus Hausaufgaben ist verdammt anstrengend und manchmal komme ich völlig fertig nach Hause. Ich schreibe am liebsten morgens (mit Milchkaffee) oder abends (mit Tee), nämlich immer dann, wenn es ruhig ist, manche schon oder noch schlafen und man nur das Ticken der Uhr hört. Ich muss mir dies nicht konkret vornehmen, es kostet mich keine Selbstüberwindung zu schreiben, ich fange einfach irgendwann an und dann geht alles von selbst.
Wenn ich an einem Roman schreibe, nehme ich mir zwei bis drei Abende die Woche drei bis vier Stunden Zeit. Das lässt sich auch mit der Schule und meinen Freunden vereinbaren.
DIE SELBSTVERGESSENEN ist Dein zweiter, erfolgreicher Roman. Würdest Du uns kurz ein wenig zum Buch erzählen?
Sofia hatte schon immer eine chronisch große Klappe, aber eines Tages geht sie mit einer Hassrede auf ihren Kunstlehrer einfach zu weit und fliegt von der Schule. Von da an soll sie auf ein Internat für Straftäter gehen und wird dabei auch von ihrer Zwillingsschwester und besten Freundin Mila getrennt. Jedoch entpuppt sich das Internat als sonderbare Eliteschule. Die Schüler stehen im Kontrast zum Straftäterklischee und sind wunderschön, super intelligent und unberührbar. Sofia, die alles andere als perfekt ist, findet sich schnell in einer Außenseiterposition wieder und versteht erst viel später, dass an dieser Schule ein ganz mieses Spiel gespielt wird. Vielleicht kann ihr der süße, grünäugige Sam, der nur nachts freundlich ist, weiterhelfen.
Woher kamen die Ideen zu dieser Geschichte und wie nah sind Deine Protagonisten an realen Personen orientiert?
Ich glaube mein erster Gedanke war “böse Puppen”. Dann habe ich dies mit einer Internatsgeschichte verknüpft, ich habe so etwas schon immer gern gelesen. Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten, um vor allem Sofia und Sam überzeugend zu charakterisieren. Ich lasse mich in meinen Romanen von vielem inspirieren. Einige Figuren haben bestimmte Charakterzüge meiner Freunde, manch einer findet sicherlich einen guten Spruch, der ihm bekannt vorkommt, einzelne Geschehnisse haben sich vielleicht ungefähr so abgespielt. Eine meiner Freundinnen hat mir beim Lesen immer eine Sms geschrieben, wenn ihr etwas bekannt vorkam.
Wie lange hat es gedauert, bis das Buch fertig war?
Ich habe ungefähr ein halbes Jahr daran geschrieben. So konnte ich es mir ideal einteilen, hatte Zeit für Schule und Freunde und keinerlei Druck.
Glaubst Du, daß jeder Mensch schreiben kann und was würdest Du einem Autorenneulingen raten?
Ich glaube, dass jeder Mensch schreiben kann, wenn er es wirklich will. Jemand der es halbherzig versucht, wird wahrscheinlich scheitern. Aber wer aufgeregt ist, wenn er eine Idee hat, die er zu Papier bringen möchte, wer sich in seinem Kopf Dialoge ausdenkt, die er dann blitzschnell in ein Notizbuch kritzelt, wem es besser geht, wenn er sich den Tag von der Seele geschrieben hat, der kann auch schreiben.
Es gibt einige Dinge, die man auf jeden Fall beachten sollte. Erstens der rote Faden, an den ich mich selbst nur langsam und schmerzlich gewöhnen konnte.
Man sollte vor dem Schreiben wirklich eine Zusammenfassung und eine Kapitelgliederung verfassen. Das heißt nicht, dass man keinen kreativen Freiraum mehr hat, aber die Basis muss vorhanden sein. Weiterhin ist es wichtig, unvorhersehbare Wendungen in das Buch einzubauen, Sachen, mit denen der Leser nicht rechnet, wo er Wow denkt, zurückblättert, und feststellt, dass es so wirklich alles einen Sinn ergibt. Die Charaktere müssen authentisch sein, möglichst nicht klischeehaft, mit Ecken und Kanten. Zu guter Letzt ist das Gleichgewicht aus Handlung, Beschreibung und Dialog wichtig, es muss immer in einem Verhältnis stehen. Das sind die Dinge, auf die ich am meisten achte.
Unsere Kibulos sind Rezensenten von 8 bis 56 Jahre, die alle gern Kinder- oder Jugendbücher lesen. Jeder darf seine Meinung zu Büchern so wiedergeben, wie er es für richtig hält. Wie findest Du KiBuLo?
Super! Ich selber kann mir nicht vorstellen, nach meinem achtzehnten Geburtstag keine Jugendbücher mehr zu lesen. Ich halte Jugendbücher sogar für die besten Bücher überhaupt. Sie sind frisch, ehrlich und phantasievoll. Ich werde sicherlich vorbeischauen, wenn ich das nächste mal nicht weiß, für welches Buch ich mich entscheiden soll. Ich lese auch gerne Rezensionen, wenn ich das Buch selbst gelesen habe, einfach weil mich andere Meinungen interessieren.
Was bedeutet es Dir das Schreiben generell und könntest Du Dir jemals vorstellen es nicht mehr zu tun?
Schreiben ist etwas so Besonderes, so Wichtiges, ich kann es kaum in Worte fassen. Wenn mir etwas trauriges passiert, und ich daraus eine schöne Geschichte machen kann, dann erscheint alles so sinnvoll. Wenn ich mir nach einem langen Tag noch schnell zehn Minuten für mein Tagebuch nehme, kann ich alles einmal schnell loswerden. Wenn ich total gestresst von den ganzen Klausuren bin, fange ich bei meiner Lieblingsmusik einfach an zu schreiben, ich schreibe über irgendetwas, was weit weit weg von Mathe ist. Schreiben ist meine Vergangenheit und meine Zukunft.
Und nein, ich könnte nicht damit aufhören, ich glaube dann würde ich vor lauter unverbrauchter Worte in mir platzen.
Wie wichtig ist es Dir, mit Deinen Fans Kontakt zu halten?
Sehr wichtig! Ich beantworte jede Nachricht, jede Frage. Es ist einfach superschön, wenn man Erfolg mit etwas hat, was man schon immer so geliebt hat. Ich kann nicht aufhören allen zu danken, die mich unterstützen.
Was erträumst Du Dir von Deiner Zukunft?
Ich würde natürlich gerne Autorin werden. Es wäre wahnsinnig cool, zum Beispiel wenn mein Buch in eine andere Sprache übersetzt werden würde. Aber ich weiß auch, dass es unwahrscheinlich ist, von diesem Geld leben zu können und werde deswegen natürlich studieren. Aber wer weiß was die Zukunft mit sich bringt, das Leben ist voller Chancen. Vielleicht klappt es ja.
KiBuLo wünscht Dir für Deine Zukunft alles Gute und hofft noch viel von Dir zu lesen!
Dankeschön! Ich hoffe, immer weiter schreiben zu können.
© Cornelia Bruno, Andreas Illig

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